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Eishockeyprofi Markus Jocher spricht
im Interview mit der Sonntagszeitung über das aktuelle Regel-Chaos und seinen
Vertragspoker mit den Frankfurt Lions. Herr Jocher,
wie geht's? Ich kann eigentlich nicht klagen. Die
Operation nach der Schultereckgelenkssprengung ist gut verlaufen. Vor einer
Woche haben die Ärzte die Eisenplatte rausgenommen.
Jetzt sind noch ein paar Klammern drin, die haben sich leider entzündet. Aber
das ist halb so wild. Nächste Woche komme ich nach Frankfurt zurück. Sie kurieren sich in Ihrer Heimat
Garmisch-Partenkirchen aus. Sind sie gerade auf dem Weg zum Ski-Weltcup auf
der Kandahar? Nein, das schaue ich mir höchstens im
Fernsehen an. Den Trubel brauche ich nicht. Sie haben wegen zwei schweren
Verletzungen erst zehn Saisonspiele absolviert. Und Ihr Vertrag läuft im
April aus. Machen Sie sich Sorgen um Ihre Zukunft? Nein, warum sollte ich? Ich würde gerne
bei den Lions bleiben. Verhandlungen hat es noch
keine gegeben. Zunächst muß ich wieder auf die
Beine kommen. Außerdem sondiert mein Berater den Markt und es gibt noch
andere schöne Plätze, wo man als Eishockeyprofi unterkommen kann. Sie beobachten die Auftritte Ihrer
Kollegen auf der Tribüne oder im Fernsehen. Haben Sie eine Erklärung für die
zuletzt schwankenden Leistungen? Das Team hatte gewiß
ein Tief. Aber es kommt da wieder raus. Im übrigen schwächelt jeder im Lauf der Vorrunde mal, da ist es
besser, man nimmt sich seine Auszeit im Januar als zu Beginn der Play-offs. Erreichen die Löwen denn die Endrunde
überhaupt? Aber ja. Und mit welchem Ziel? Dabeisein ist am Anfang alles. Unser Plus wäre
es, daß uns kein Gegner
etwas zutraut und wir ohne Druck loslegen könnten. Momentan gibt es viel Aufregung um die
Leistung der Referees und die strengere Regelauslegung in der Deutschen
Eishockey Liga. Sie leben bei Ihrer Statur besonders vom körperlichen
Einsatz. Wissen Sie, wie Sie sich bei Ihrem Comeback verhalten müssen? Nein! Wie auch? Kein Spieler weiß zur Zeit, was ihn erwartet, denn die Schiedsrichter haben
keinen Plan, was sie pfeifen sollen. Es ist ein Unding, eine Regeländerung mitten in der Saison im Hauruckverfahren
umzusetzen. Unsere Unparteiischen waren vorher nicht qualifiziert genug,
jetzt sind sie völlig überfordert. Eigentlich müßten
alle eine längere Ausbildung absolvieren. Ich hoffe, daß
die Herren bei der DEL kapieren, daß zum Eishockey
Körperkontakt gehört. Wenn weiterhin faire Checks bestraft werden, dauert es
nicht lange, und die Fans bleiben aus. Ich habe jedenfalls keinen Bock, mir
wie eine Ballerina ein Röckchen anzuziehen und ein Schauspieler auf
Schlittschuhen zu werden. Auf dem Eis gibt es keine Freunde
Haben Sie
eigentlich einen Spitznamen und woher kommt er?
Markus, gegen den ERC Ingolstadt haben Sie ihr ersten Saisontor geschossen. Wie wichtig war das für Sie? Das war schon sehr wichtig für mich. Dieses Tor gibt mir viel Selbstvertrauen. Ich hatte schon zuvor so viele Chancen, bei denen ich hätte treffen müssen. Es hat nicht sollen sein. Ich bin froh, dass es jetzt endlich geklappt hat. Und gleich danach haben Sei einen krachenden Check gegen Ingolstadts Chris Armstrong ausgeteilt. So könnte es immer laufen, oder? Ja, und gleichzeitig eine schöne Strafzeit bekommen (lacht). Nein, Spaß beiseite. Hart an den Mann gehen, dass ist eigentlich mein Ding und meine Aufgabe. Sie spielen meistens in der vierten Sturmreihe. Welche Bedeutung/Aufgabe haben die dritte und vierte Sturmformation? Wie wichtig sind diese Reihen für den Erfolg der Mannschaft? Diese beiden Formationen sind hauptsächlich zur Entlastung der ersten beiden Reihen da. Vor allem, weil die anderen viel Eiszeit bei Powerplay und Unterzahl bekommen. Wir entlasten dann die Spieler, die in diesen Situationen gebraucht werden. So können sie Kräfte sparen und sich ausruhen. Würden Sie sagen, dass die Frankfurt Lions die beste vierte Reihe der Liga hat? Schwer zu sagen. In den zurückliegenden Spielen sind wir sicher besser in Tritt gekommen. Rich Chernomaz hat uns das Vertrauen gegeben und wir haben das mit guter Leistung zurückgezahlt. Gerade Chad Bassen scheint der vierten Reihe auch noch mal Auftrieb gegeben zu haben? Ja, sicher. Chad Bassen ist ziemlich schnell. Wir passen gut zusammen. Andrej Strakhov ist technisch sehr gut und sieht immer einen von uns. Wir sind eher die, die vors Tor gehen und die Tempo und Aggressivität in die vierte Formation einbringen. Warum haben sich die Lions zu Beginn der Saison so schwer getan? Das ist nicht leicht zu beantworten. Es ist immer schwer, an eine tolle Leistung anzuknüpfen. Schließlich sind wir vergangene Saison Deutscher Meister geworden. Und die gegnerischen Teams sind gut vorbereitet und wollen unbedingt den Meister schlagen. Jede Mannschaft spielt richtig stark gegen uns. Niemand unterschätzt uns. Das war für uns schwer. Wir haben lange nach dem passenden Rhythmus gesucht. Wir haben selbst zuviel von uns erwartet und uns selbst zuviel Druck gemacht. Den Druck haben wir uns aber wieder Schritt für Schritt genommen und viel Selbstvertrauen getankt. Verkrampft man dann zu schnell? Ja, das stimmt. Man möchte in den Wechseln, die man hat, möglichst alles perfekt machen. Ein Tor schießen, aber keines hinnehmen müssen, einen tollen Check austeilen. Einfach alles. Aber das ist zuviel. Jeder hat eine bestimmte Aufgabe von Rich Chernomaz bekommen, die er auch aufgrund seiner Fähigkeiten ausführen kann. Und daran halten wir und jetzt. Die Meisterschaft mit den Frankfurt Lions war schon Ihre dritte. Offenbar muss man Markus Jocher in der Mannschaft haben, um den Titel zu holen... Die Meisterschaft der München Barons hänge ich mir nicht an die Brust. Da war ich bloß ein Statist und kein ausschlaggebender Faktor. Und bei den entscheidenden Spielen war ich nicht dabei. Klar, ich bin damals auch Meister geworden, aber damit habe ich nicht allzu viel zu tun. Darauf bilde ich mir nichts ein. Bei den Titelgewinnen mit Köln und Frankfurt hatte ich sicher einen kleinen Anteil. Gerade weil ich auch in den Play-Offs dabei war. Da Sie ja noch sehr jung sind, könnten Sie ja Rekordtitelträger der DEL werden... Ich hoffe, dass noch eine oder zwei dazukommen. Welche Meisterschaft war die schönste? Klar, normal wäre zu sagen: Ich spiele in Frankfurt, also war die mit Frankfurt die Schönste. Aber so ist es wirklich. Die Meisterschaftsfeier mit den Lions war schon toll. Nichts gegen die Kölner, aber die Fans in Frankfurt sind schon super. Wir haben im Präsidium bis zum Ende mit den Fans gefeiert und hatten eine tolle Zeit. Das war schon klasse. Was hat den Erfolg der Frankfurt Lions in der vergangenen Saison ausgemacht? Die Charakterstärke der Mannschaft? Ja, der Charakter der Mannschaft war und ist auch jetzt ziemlich gut. Jeder hat für den anderen gekämpft. Einen großen Anteil hat zudem Rich Chernomaz. Zu den entscheidenden Spielen hat er uns immer noch einen zusätzlichen Motivationskick gegeben. Im heutigen Spiel kommen die Nürnberg Ice Tigers nach Frankfurt. Was erwarten Sie von der Partie? Es wird sicher ein hartes Spiel. Die Nürnberg Ice Tigers lassen wenig Gegentore zu. Das wird sicher ein Topspiel und ich hoffe, dass wir am Ende als Sieger vom Eis gehen. Und am Dienstag ist Derbytime. Dann kommen die Adler Mannheim in die Eissporthalle am Ratsweg. Wie viel bekommt man als Spieler von der Derbyatmosphäre mit? Ziemlich viel. Das Spiel bei den Kassel Huskies war auch so ein klassisches Derby. Die Stimmung macht so ein Spiel aus und die Fans stehen immer toll hinter der eigenen Mannschaft. Die Derbys sind Topspiele, in die die Mannschaft voll motiviert geht. Vielleicht noch etwas motivierter als in den anderen Spielen. Nach dem Spiel gegen die DEG Metro Stars sind die Spieler mit den Fans im Sonderzug der Lions nach Hause gefahren. Wie gefallen Ihnen solche Aktionen? Das war eine ganz nette Zugfahrt, das muss ich schon sagen. Mit den Fans kann man sich wirklich gut unterhalten und ein Bierchen zusammen trinken. Wie wichtig sind Ihnen der Kontakt und das Verhältnis zu den Fans? Ich finde den Kontakt sehr wichtig. Sie schauen uns bei der Arbeit zu und zahlen schließlich, um uns zu sehen. Und ich bin sowieso keiner, der irgendwelche Allüren hat. Für mich sind alle gleich. Ein Fan, der uns in jedem Spiel anfeuert, dem gilt es Respekt zu zollen. Den Fans gehört ein Teil des Sieges und des Erfolges. Sie sind ja ein waschechter Bayer, aber sind schon einige Zeit in Hessen. Sprechen Sie auch schon ein bisschen hessisch? Nein, überhaupt nicht (lacht). Meine Mutter ist ziemlich dahinter, dass ich meinen bayerischen Slang behalte und nicht verliere. Und das möchte ich auch selbst nicht. Ich bin stolz auf Bayern. Hessen mag ich auch sehr gerne, aber irgendwann gehe ich sicher auch wieder zurück in die Heimat. Mögen Sie eigentlich Ebbelwoi, also Apfelwein? Ja, das geht auch schon mal. Aber ein schönes Weißbier ist mir doch lieber (lacht). Machen Sie &ndash als echter Bayer &ndash neben Eishockey noch andere Wintersportarten? Wenn die Zeit dafür überhaupt bleibt... Wenn ich Zeit und mal einen Tag frei habe, dann mache ich Langlauf. Das ist gut für die Kondition und ich bin an der frischen Luft. Ski fahre ich weniger. Da ist die Verletzungsgefahr zu groß. Nachgefragt: 1.
Spitzname: as Schönste am Beruf Eishockeyspieler ist......die Sommerpause. 2. Das Eishockey-Idol in D |
1. Das Schönste am
Nachgefragt:
1. Das Schönste am Beruf Eishockeyspieler ist...
...die Sommerpause.
2. Das Eishockey-Idol in Deiner Kindheit?
Jörg Mayr.
3. Das beste Line-Up
aller Zeiten besteht aus...
Andrej Strakhov, Neville Rautert, Chad Bassen,
Sebastian Klenner und Markus Jocher.
4. Wo möchtest du unbedingt mal Urlaub machen?
In Brasilien oder Mexiko.
5. Wenn ich Politiker wäre, würde ich...
...alles machen.
6. Bei wem möchtest Du dich mal bedanken?
Bei meiner Mutter.
7. Wem möchtest Du gerne mal die Meinung sagen?
Es sind zu viele, aber einen nenne ich: H.
Z.
8. Was kostet Dich richtig nerven?
Michael Hackert.
9. Der witzigste Trash-Talk,
den Du je während eines Spiels gehört hast?
Rauterts erster Trash-Talk.
10. Drei Dinge, ohne die Du nicht leben kannst?
Familie, Freundin und Hund.
11. Welches NHL-Team
sollte mal den Stanley Cup gewinnen?
Ist mir egal.
12. Die schlimmste Reiseerfahrung
während deiner Karriere?
Die Fahrt nach
Weißwasser.